Die Moll-Tonleiter ist die dunklere Schwester der . Sie folgt derselben Idee: sieben Töne, gebildet nach einem Bauplan aus Ganz- und Halbtönen. Nur kommen die Schritte in einer anderen Reihenfolge, und das verändert den Charakter völlig.
Die einfachste Moll-Tonleiter beginnt auf A und verwendet nur Stammtöne, genau wie C-Dur ab C:
Ab hier lassen wir den Oktavton oben weg, damit du nur die sieben verschiedenen Töne siehst. Der letzte Schritt jedes Bauplans führt trotzdem wieder hinauf zum Grundton.
Zählst du die Schritte zwischen den Tönen, bekommst du den Bauplan von Moll:
Vergleiche ihn mit dem Bauplan von Dur, G G H G G G H. Die Halbtöne liegen an anderen Stellen, und mehr braucht es nicht, damit die Tonleiter dunkel statt hell klingt. Diese Tonleiter heißt auch natürliches Moll (oder reines Moll), damit man sie von den zwei Abwandlungen weiter unten unterscheiden kann.
Schau genau hin: A-Moll verwendet genau dieselben Töne wie C-Dur, es beginnt nur auf A. Darum nennt man A-Moll die Paralleltonart von C-Dur. Jede Dur-Tonleiter hat eine: Sie beginnt auf dem 6. Ton der Dur-Tonleiter, drei Halbtöne unter dem .
Deshalb steht A-Moll im Quintenzirkel direkt neben C-Dur: Beide haben dieselben .
Vergleiche jetzt C-Dur mit C-Moll. C-Moll ist die Variante von C-Dur, auch gleichnamige Tonart genannt: Beide beginnen auf C, aber C-Moll erniedrigt drei Töne um einen Halbton, den 3., den 6. und den 7. Ton. Spiel beide nacheinander, dann hörst du, wie sich der Charakter ändert.
Vorsicht, falls du englische Bücher liest: Dort heißt die Paralleltonart „relative minor“, und „parallel minor“ meint ausgerechnet die Variante.
Wähl einen Grundton und bilde mit demselben Bauplan sein natürliches Moll:
Im natürlichen Moll liegt der 7. Ton einen Ganzton unter dem Grundton. Darum zieht die Melodie nicht so stark nach Hause wie in Dur, wo der 7. Ton nur einen Halbton darunter liegt. Das harmonische Moll ändert das: Es erhöht den 7. Ton um einen Halbton. In A-Moll harmonisch ist der 7. Ton also G♯, nur einen Halbton unter A. Ein Ton, der so von unten zum Grundton hinführt, heißt Leitton.
Harmonisch heißt es, weil man es vor allem für die Akkorde verwendet (mehrere Töne, die zusammen erklingen und die Harmonie bilden), wenn Musik in Moll steht. Warum, siehst du im Kapitel Akkorde.
Durch den erhöhten 7. Ton entsteht zwischen dem 6. und dem 7. Ton ein großer Sprung aus Ganzton plus Halbton (G+H), von F nach G♯. Dieser Sprung heißt übermäßige Sekunde (mehr zu den Intervallnamen in der nächsten Lektion). Er gibt dem harmonischen Moll seinen exotischen Klang, beliebt in der Klassik und im Metal.
Um diesen Sprung zu glätten, erhöht das melodische Moll auch den 6. Ton: A B C D E F♯ G♯ (B ist das deutsche H). In der Klassik spielt man es nur aufwärts, abwärts dagegen das natürliche Moll; im Jazz verwendet man es in beide Richtungen.