Eine Tonart ist ein Grundton plus die Tonleiter, die auf ihm aufbaut: Musik in G-Dur hat G als Zentrum und verwendet die Töne der G-Dur-Tonleiter. Es gibt zwölf Dur-Tonarten, und manche sind viel enger miteinander verwandt als andere. Stellst du sie im Abstand einer Quinte nebeneinander, zeigt sich ein einfaches Muster: Mit jedem Schritt kommt genau ein Kreuz oder ein b hinzu. Schließt man diese Reihe zu einem Kreis, erhält man den Quintenzirkel. Schauen wir uns an, warum das Muster funktioniert, und dann, wozu der Quintenzirkel gut ist.
Sieh dir die Schritte der an: G G H, dann G, dann wieder G G H (G steht für Ganzton, H für Halbton). Das sind zwei gleich gebaute Hälften aus je vier Tönen, verbunden durch einen Ganzton. So eine Hälfte heißt Tetrachord (griechisch für „vier Saiten“):
Das ist der Schlüssel zum ganzen Quintenzirkel. Das obere Tetrachord von C-Dur, G A B C, hat genau die Form, die ein unteres Tetrachord braucht. Also kann damit eine neue Dur-Tonleiter beginnen: G-Dur.
Geh eine Quinte aufwärts, von C nach G. G-Dur übernimmt das obere Tetrachord von C-Dur als sein unteres und braucht ein neues oberes. Mit demselben G G H gebaut, zwingt diese Hälfte einen Ton um einen nach oben: Aus F wird F♯. Geh stattdessen eine Quinte abwärts, von C nach F, dann wird das untere Tetrachord von C-Dur zum oberen von F-Dur; das neue untere zwingt B hinunter zu B♭. Geh im Kreis weiter: Es klappt jedes Mal.
C-Dur: keine Vorzeichen
C-Dur besteht nur aus Stammtönen. Geh eine Quinte auf- oder abwärts.
Achte auf die Reihenfolge, in der die neuen Kreuze kommen: F♯, C♯, G♯, D♯ …, jedes eine Quinte über dem vorigen. Die b kommen in umgekehrter Reihenfolge, B♭, E♭, A♭ … Genau so stehen sie auch in den Tonartvorzeichen.
Zwölf Quintschritte durchlaufen alle zwölf Töne und kommen zurück zu C, also bilden die Tonarten einen Kreis: die Kreuz-Tonarten im Uhrzeigersinn, die b-Tonarten gegen den Uhrzeigersinn. Unten treffen sie sich: G♭-Dur (6 b) und F♯-Dur (6 Kreuze) sind dieselben Töne, nur verschieden geschrieben ( gleichwertig), ebenso D♭-Dur und C♯-Dur, B-Dur und C♭-Dur. Es ist derselbe Kreis, der uns in Warum zwölf Töne? die zwölf Töne geliefert hat.
Die kleine Beschriftung unter jeder Tonart ist ihre Vorzeichnung: 2♯ heißt zwei Kreuze, ♮ heißt keine Vorzeichen. Lässt sich eine Tonart auf zwei Arten schreiben, stehen beide da. Der innere Ring zeigt zu jeder Dur-Tonart ihre in Moll, die dieselben Töne verwendet (mehr dazu in Verwandte Tonarten).
In deutschen Büchern und Noten liest du Moll-Tonarten oft kleingeschrieben: a-Moll statt A-Moll, c-Moll statt C-Moll. Hier schreiben wir den Buchstaben immer groß, passend zu den Tonnamen und Akkordsymbolen (Am). Denk auch hier an die internationalen Buchstaben: B-Dur ist das H-Dur aus deutschen Büchern (fünf Kreuze), B-Moll ist h-Moll. Das deutsche B-Dur heißt hier B♭-Dur (zwei b).
Die Reihenfolge der Tonarten, jede mit einem Vorzeichen mehr, merkst du dir mit zwei klassischen Eselsbrücken. Kreuz-Tonarten: „Geh Du Alter Esel, Hole Fische“ (G D A E H Fis), hier geschrieben G, D, A, E, B und F♯. b-Tonarten: „Frische Brötchen Essen Alle Des Gesangs“ (F B Es As Des Ges), hier geschrieben F, B♭, E♭, A♭, D♭ und G♭. Das H der Eselsbrücke ist hier also B, und das deutsche B ist hier B♭.
Nachbarn im Quintenzirkel unterscheiden sich nur in einem Ton, darum kann Musik zwischen ihnen fließend wechseln. Tonarten auf gegenüberliegenden Seiten haben die wenigsten Töne gemeinsam und klingen am weitesten voneinander entfernt.
Ein kurzer Vorgeschmack auf das Kapitel Akkorde: Ein Akkord besteht aus mehreren Tönen, die zusammen erklingen, und du kannst auf jedem Ton einer Tonleiter einen bauen. Musiker nummerieren diese Akkorde mit römischen Ziffern, den Stufen: I ist der Akkord auf dem 1. Ton, IV auf dem 4., V auf dem 5. Große Ziffern stehen für Dur-Akkorde, kleine (ii, vi) für Moll-Akkorde. Ein Akkordsymbol wie Dm bedeutet D-Moll; ein Buchstabe allein, etwa F, ist ein Dur-Akkord.
Im Quintenzirkel sind die drei Dur-Akkorde einer Tonart Nachbarn: I in der Mitte, IV einen Schritt gegen den Uhrzeigersinn, V einen Schritt im Uhrzeigersinn. Die drei Moll-Akkorde der Tonart liegen direkt innen daneben. (Der Akkord auf dem 7. Ton, vii°, ist weder Dur noch Moll, darum hat er im Kreis keinen Platz.) Wähle den Grundton einer Tonart:
Aus dem Musikunterricht kennst du vielleicht die Funktionen: I ist die Tonika (T), IV die Subdominante (S), V die Dominante (D). Die Moll-Akkorde sind ihre Parallelen: vi die Tonikaparallele (Tp), ii die Subdominantparallele (Sp), iii die Dominantparallele (Dp). Im Quintenzirkel liegt jede Parallele genau innen neben ihrer Hauptfunktion, Sp bei S, Tp bei T, Dp bei D. Mehr dazu in Leitereigene Akkorde.
Eine Akkordfolge ist eine Reihe von Akkorden, die nacheinander erklingen. Viele Akkordfolgen gehen gegen den Uhrzeigersinn, jeder Akkord eine Quinte unter dem vorigen (ein Quintfall), denn der Zug von einem Akkord eine Quinte abwärts ist der stärkste, den es gibt. Darum zieht V, der Akkord auf dem 5. Ton, so stark zurück zur I. Hör dir vi–ii–V–I in C an (in Funktionen Tp–Sp–D–T): Am, Dm, G, C. Ihre A, D, G, C rücken dreimal um einen Schritt gegen den Uhrzeigersinn weiter und kommen auf C zur Ruhe.
Erkunde jede Tonart, ihre Vorzeichnung und ihre Tonleiter im interaktiven Quintenzirkel.
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