Ein Ton ist ein einzelner musikalischer Klang mit einer bestimmten Tonhöhe: wie hoch oder tief er klingt. Die westliche Musik kommt mit nur zwölf Tönen aus, und alles ist aus ihnen gebaut. Fast jeder Rock- oder Popsong, den du je gehört hast, benutzt nur diese zwölf. (Schreibt man einen Ton auf, heißt das Zeichen Note. Dazu später mehr.)
Sieben der zwölf Töne sind die Stammtöne. Sie heißen wie die ersten sieben Buchstaben des Alphabets, A bis G. Zusammen bilden sie eine Tonleiter (eine Reihe von Tönen, nacheinander gespielt), die in der westlichen Musik seit Jahrhunderten benutzt wird. Um Tonleitern geht es später. Klick auf einen Ton, um ihn zu hören:
In der Schule hast du die Stammtöne vielleicht als „C D E F G A H“ gelernt. Das ist dieselbe Reihe, nur ab C begonnen und mit H statt B. Warum, erfährst du weiter unten bei den deutschen Tonnamen. Wir fangen hier einfach beim A an, dem ersten Buchstaben.
Nach dem G beginnen die Buchstaben einfach wieder beim A. Das neue A klingt wie das erste, nur höher. Den Abstand von einem Ton bis zum nächsten Ton mit demselben Namen nennt man Oktave.
Jeder Klang ist eine Schwingung. Seine Frequenz sagt, wie oft er pro Sekunde schwingt, gemessen in Hertz (Hz). Eine höhere Frequenz klingt höher. Das A eine Oktave höher hat genau die doppelte Frequenz des A darunter: Aus 440 Hz werden 880 Hz. Das gilt für jeden Ton, und zwar in beide Richtungen: Derselbe Ton eine Oktave tiefer hat genau die halbe Frequenz. (Das A mit 440 Hz ist übrigens der Kammerton, nach dem fast alle Instrumente gestimmt werden. Mehr dazu auf der nächsten Seite.)
Nacheinander gespielt klingen diese Töne ganz selbstverständlich. Aber der Abstand zwischen ihnen ist nicht immer gleich. Unten siehst du, um wie viel höher jeder Ton ist als der vorige. Von B nach C und von E nach F ist der Schritt nur etwa halb so groß wie die anderen: Von A nach B geht es etwa 12 % nach oben, von B nach C nur etwa 6 %. Die genauen Zahlen musst du dir nicht merken. (Wir rechnen in Prozent, weil unser Ohr Tonschritte als Verhältnisse hört, nicht als feste Anzahl Hertz.)
Der kleine Schritt ist ein Halbton. Der große Schritt ist ein Ganzton: zwei Halbtöne. Wir kürzen den Ganzton mit G ab und den Halbton mit H. (Auf der ganzen Website steht das Kästchen G immer für Ganzton und H für Halbton, nie für die Töne G oder H.) Von B nach C und von E nach F ist ein Halbton. Zwischen allen anderen Stammtönen liegt ein Ganzton.
In einem Ganzton ist Platz für einen weiteren Ton in der Mitte. Diese Zwischentöne entstehen, wenn man einen Stammton erhöht oder erniedrigt. Zwischen den Stammtönen gibt es fünf Ganztöne, also gibt es fünf solche Zwischentöne. Sieben Stammtöne plus fünf Zwischentöne ergeben zwölf.
Jeder Zwischenton wird nach einem benachbarten Stammton benannt, deshalb hat er zwei Namen. Ein Kreuz (♯) erhöht einen Stammton um einen Halbton: Der Ton heißt dann nach dem Stammton darunter. Ein b (♭) erniedrigt einen Stammton um einen Halbton: Der Ton heißt nach dem Stammton darüber. Kreuz und b heißen zusammen Versetzungszeichen.
Der Ton zwischen A und B ist zum Beispiel A♯ (A mit Kreuz) oder B♭ (B mit b). Welchen Namen man benutzt, hängt von der Situation ab; dazu später mehr. So oder so ist es genau derselbe Ton. A♯ und B♭ sind enharmonisch gleichwertig (sie klingen gleich): zwei Namen für denselben Ton. Den einen Namen gegen den anderen zu tauschen, nennt man enharmonische Verwechslung.
Von B nach C und von E nach F gibt es keinen Zwischenton: In einem Halbton ist kein Platz für einen weiteren Ton. Manchmal bekommt aber auch ein Stammton einen zweiten Namen. B kann zum Beispiel auch C♭ heißen. C♭ ist kein Ton zwischen B und C. Es ist genau derselbe Ton wie B, nur vom Ton darüber aus benannt. Warum das vorkommt, sehen wir, wenn wir Tonleitern bauen.
Im deutschsprachigen Raum benennt man die Töne anders als international: Ein Kreuz hängt ein „-is“ an, ein b ein „-es“. C♯ heißt Cis, F♯ Fis, D♭ Des, G♭ Ges. Einige Namen sind kürzer: E♭ heißt Es und A♭ As.
Vorsicht bei einem Ton: Was international B heißt, nennt man auf Deutsch H. Und das deutsche „B“ ist international B♭. Wer in der Schule „C D E F G A H“ gelernt hat, kennt also schon alle sieben Stammtöne, nur das H heißt hier B. So stehen die Namen auch in deutschen Noten und Büchern: H, Fis-Dur, h-Moll.
Diese Seite schreibt dagegen immer die internationalen Buchstaben: C♯, E♭, B♭, B. So stehen die Töne auch in Akkordsymbolen, Songbooks, Gitarren-Apps und in fast allen Musikprogrammen. Aussprechen darfst du sie natürlich weiter auf Deutsch: Wo B♭ steht, sagst du „B“, wo B steht, „H“.
Selten braucht ein Ton sogar zwei Zeichen. Ein Doppelkreuz (𝄪) erhöht einen Ton um zwei Halbtöne, ein Doppel-b (𝄫) erniedrigt ihn um zwei. F𝄪 (gesprochen „Fisis“) ist also derselbe Ton wie G, und B𝄫 (gesprochen „Heses“) derselbe wie A. Warum schreibt man F𝄪 statt G? In einer Tonleiter hat jeder Buchstabe seinen eigenen Platz, und manchmal braucht der richtige Buchstabe zwei Zeichen, um den richtigen Ton zu erreichen. Du begegnest ihnen später in ein paar Tonleitern und Akkorden (mehrere Töne, die zusammen erklingen).
Die sieben Stammtöne und die fünf Zwischentöne ergeben alle zwölf Töne. Hier sind sie mit den Kreuz-Namen:
Und hier mit den b-Namen. Es sind immer noch genau dieselben zwölf Töne, nur anders benannt:
Alle zwölf Töne hintereinander, jeder einen Halbton über dem vorigen, ergeben die chromatische Tonleiter. Sie ist die Grundlage der gesamten westlichen Musik.
Aber warum zwölf Töne, und warum genau diese zwölf? Die nächste Seite zeigt, woher sie kommen.
Weiter: Warum zwölf Töne?