Einführung in die Tonleitern

Jetzt geht es um Tonleitern. Eine Tonleiter ist eine Reihe von Tönen, von tief nach hoch gespielt und nach einem festen Muster aus Schritten gebaut. Ein Musikstück nimmt die meisten seiner Töne aus einer Tonleiter. Wenn man Anfängern Tonleitern erklärt, wirken sie oft zufällig und schwer zu durchschauen. Darum zählen wir hier nicht einfach alle Tonleitern und ihre Regeln auf, sondern leiten sie aus einem logischen Muster ab.

Die chromatische Tonleiter

Die einfachste Tonleiter ist die . Du kennst sie schon: Sie besteht einfach aus allen Tönen der Reihe nach. Der Ton, mit dem eine Tonleiter beginnt, heißt Grundton: Auf ihm ist die Tonleiter aufgebaut, und nach ihm ist sie benannt. Wir beginnen mit C und gehen dann der Reihe nach weiter. Jeder andere Ton kann aber genauso der Grundton sein.

Bei den meisten Tonleitern ist der Grundton auch ihr Ruhepunkt: Eine Melodie aus der Tonleiter klingt abgeschlossen, wenn sie zu ihm zurückkehrt.

Der Bauplan für diese Tonleiter ist einfach: Geh alle Töne in Halbtonschritten durch. (Manche Bücher sagen Halbtonschritt und Ganztonschritt statt Halbton und Ganzton. Gemeint ist dasselbe.) Weil alle zwölf Töne jeweils einen Halbton auseinanderliegen, heißt der Bauplan nichts anderes, als dass wir die Töne der Reihe nach durchgehen, einen nach dem anderen.

Die chromatische Tonleiter ist die Grundlage aller anderen Tonleitern, denn sie enthält alle Töne. Besonders musikalisch ist sie aber nicht, denn sie hat keinen eigenen Klang.

Die Dur-Tonleiter

Eine der häufigsten Tonleitern ist die Dur-Tonleiter: sieben Töne mit einem hellen, fröhlichen Klang. Die einfachste Dur-Tonleiter ist C-Dur. Sie besteht aus allen Stammtönen und lässt die Töne mit weg. Von allen Tönen …

… behalten wir also nur die Stammtöne. Wenn du eine Tonleiter von unten nach oben aufschreibst (oder spielst), nimmst du den Grundton oben in der normalerweise noch einmal dazu. Die C-Dur-Tonleiter lautet also:

Wollen wir wie bei der chromatischen Tonleiter einen Bauplan aus Schritten aufschreiben, sagen wir: Vom Anfang aus ein Ganzton, das bringt uns von C nach D, über C♯ hinweg. Noch ein Ganzton zu E, dann ein Halbton zu F. Hier geht nur ein Halbton, denn zwischen E und F liegt kein Ton mit Versetzungszeichen, und wir wollen zum nächsten Stammton. Dann wieder ein Ganzton zu G, noch einer zu A, noch einer zu B (das deutsche H) und zum Schluss ein Halbton zurück zu C. Wie zuvor steht G für Ganzton und H für Halbton. H ist hier also kein Tonname, sondern ein Schritt. Der Bauplan der C-Dur-Tonleiter lautet:

GGHGGGH

Mit diesem Bauplan kannst du die Dur-Tonleiter auf jedem Grundton bilden, den du dir aussuchst. Für A-Dur zum Beispiel beginnen wir mit der chromatischen Tonleiter ab A.

Jetzt wenden wir das Muster an. Von A ein Ganzton zu B, ein Ganzton zu C♯, ein Halbton zu D, ein Ganzton zu E, ein Ganzton zu F♯, ein Ganzton zu G♯ und zum Schluss ein Halbton zurück zu A.

Die A-Dur-Tonleiter besteht aus den Tönen A, B, C♯, D, E, F♯, G♯ (gesprochen: A, H, Cis, D, E, Fis, Gis). Das Muster ist für alle Dur-Tonleitern gleich, egal auf welchem Grundton. Je nach Anfangston kommen aber andere Töne heraus. Darum ist A-Dur nicht einfach C-Dur in anderer Reihenfolge, sondern eine andere Auswahl von Tönen.

Bei den Tönen hast du gesehen, dass jeder Ton mit Versetzungszeichen zwei Namen hat. In einer siebentönigen Tonleiter wie der Dur-Tonleiter kommt jeder Buchstabe genau einmal vor. Also wählen wir die Namen so, dass das aufgeht. Mit b-Namen kämen in A-Dur die Buchstaben A und D je zweimal vor (A und A♭, D♭ und D), C und F dagegen gar nicht. Das A oben ist nur die Oktave und zählt nicht mit. Darum nehmen wir hier die Kreuz-Namen.

Andere Dur-Tonleitern brauchen b-Namen, zum Beispiel F-Dur: Dort steht B♭ statt A♯ (B♭ ist der Ton, den man im Deutschen B nennt). Ein paar Tonleitern brauchen sogar die ungewöhnlichen Namen, die du bei den Tönen gesehen hast, etwa C♭: F♯-Dur verwendet E♯ (gesprochen „Eis“, dieselbe Klaviertaste wie F), und G♭-Dur verwendet C♭ („Ces“, dieselbe Taste wie B, das deutsche H), weil die Buchstaben F und B dort schon vergeben sind (für F♯ bzw. B♭).

Wenn du alle Dur-Tonleitern bildest, siehst du: C-Dur ist die einzige Dur-Tonleiter, die nur aus Stammtönen besteht.

Wie viele Kreuze oder b eine Dur-Tonleiter hat, folgt einem einfachen Muster. Das sehen wir uns im Kapitel Tonarten an.

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