Viele Gitarrenstücke in Songbooks, im Internet und in Apps sind als Tabulatur notiert, kurz Tab. Eine Tabulatur verrät dir nicht, wie die Töne heißen, sondern wohin deine Finger gehören. Deshalb lernst du sie schnell, auch ganz ohne Notenkenntnisse.
Eine Tabulatur hat sechs Linien, eine für jede Saite der Gitarre. Eine Zahl auf einer Linie sagt dir, in welchem du diese Saite greifst: 3 heißt „die Saite kurz vor dem dritten Bundstäbchen (auf der Seite zum Sattel hin, nicht auf dem Metallstäbchen) drücken und anschlagen“, 0 heißt „die Saite anschlagen, ohne zu greifen“, also die .
Fahr mit der Maus über eine Zahl (oder tipp sie an), dann zeigt das Griffbrett darunter, wo sie gespielt wird. Mit Play hörst du die ganze Tabulatur.
Die Zahl ist ein Bund, kein Finger. Mit welchem Finger du greifst, steht in der Tabulatur meist nicht. Das entscheidest du selbst.
Links am Rand stehen die Saitennamen, von der obersten Linie nach unten: e, B, G, D, A, E. Das kleine e ist die hohe E-Saite, das große E die tiefe. Viele deutsche Gitarrenbücher sagen statt B-Saite H-Saite. In Tabs steht aber fast immer B.
Die oberste Linie ist die hohe E-Saite, die dünnste. Wenn du die Gitarre hältst, ist das die Saite, die dem Boden am nächsten ist, deshalb erwarten viele Anfänger sie unten. Merk es dir so: Die am höchsten klingende Saite steht auf der obersten Linie. Oder leg die Gitarre mit den Saiten nach oben auf deinen Schoß und schau hinunter: Jetzt ist die hohe E-Saite am weitesten von dir entfernt, oben in deinem Blickfeld, genau wie in der Tabulatur.
Die Griffbretter auf dieser Seite sind genauso gezeichnet, die hohe E-Saite oben. Tabulatur und Griffbrett passen also Saite für Saite zusammen.
Eine Tabulatur liest du wie einen Text: von links nach rechts, eine Zahl nach der anderen. Hier ist der Anfang von Beethovens „Ode an die Freude“ („Freude, schöner Götterfunken“). Drück auf Play und folge den Zahlen, während sie aufleuchten:
Alle Töne liegen hier so nah wie möglich am . So notieren Anfänger-Tabs eine Melodie meistens. Dieselben Töne lassen sich auch weiter Richtung Korpus, in höheren Bünden, spielen (siehe Das Griffbrett). Genau das ist die Stärke der Tabulatur: Von allen Stellen, an denen ein Ton liegt, sagt sie dir, welche du nehmen sollst.
Zahlen, die in einer Spalte übereinanderstehen, spielst du gleichzeitig: Du schlägst diese Saiten in einer Bewegung an. Neu ist hier das x: Diese Saite soll nicht klingen. Bei Akkorden lässt du sie aus oder dämpfst sie mit einem Finger ab. (Steht ein x in einer Melodie oder einem Riff, schlägst du die Saite gedämpft an, das gibt ein perkussives Klicken.) Saiten ganz ohne Zahl bleiben ebenfalls stumm. Schlag ab der tiefsten Saite an, die eine Zahl hat: bei C ab der A-Saite, bei D ab der D-Saite. Über der Tabulatur stehen die , so wie du sie aus Songbooks kennst.
Das sind dieselben Griffe, die du auch als findest. Ein Griffbild zeigt den Griff auf dem Griffbrett, die Tabulatur schreibt dieselben Bünde als Zahlenspalte:
Stehen dieselben Zahlen von links nach rechts nebeneinander, bedeutet das etwas anderes: die Saiten einzeln nacheinander anschlagen. Hier wird der C-Akkord erst angeschlagen und dann Saite für Saite gezupft (ein Arpeggio). Den Griff lässt du dabei liegen:
Einfache Tabs sagen dir, wo du spielst, aber nicht wann und wie lange. In der „Ode an die Freude“ oben sehen alle Zahlen gleich aus, du würdest also jeden Ton gleich lang spielen. In der echten Melodie ist das E kurz vor Schluss aber länger, das D danach kurz und das letzte D lang. Hier erklingt sie gleichmäßig, so wie die Tabulatur aussieht. Den echten Rhythmus hörst du weiter unten:
Den Rhythmus zeigt das Notensystem: Der Punkt hinter dem E macht es länger, das Fähnchen am D macht es kurz, und die hohle Note des letzten D hält es zwei Schläge lang. Diese Zeichen erklärt die nächste Lektion, Rhythmus. Deshalb drucken viele Songbooks die Noten mit der Tabulatur darunter, das eine für den Rhythmus, das andere dafür, wo du spielst:
Hast du nur die Tabulatur, hörst du dir den Rhythmus meist vom Original ab. Tabs in gedruckten Büchern und Apps zeigen ihn oft mit Notenhälsen und Fähnchen unter den Zahlen, ähnlich wie im Notensystem.
Neben Zahlen benutzt die Tabulatur ein paar Zeichen für besondere Spielweisen. Jedes Beispiel erklingt, wenn du auf seinen Knopf drückst. Die Namen kommen aus dem Englischen und sind so auch unter deutschen Gitarristen üblich.
Schlag den ersten Ton an und lass dann einen Finger der Greifhand kräftig auf den höheren Bund fallen, wie einen kleinen Hammer. Liegt der erste Ton nicht auf der Leersaite, bleibt der Finger dafür liegen. Der zweite Ton klingt, ohne dass du noch einmal anschlägst.
Das Gegenstück: Schlag den höheren Ton an und zieh den Finger dann mit einem leichten seitlichen Zupfen von der Saite. So klingt der tiefere Ton, ohne neuen Anschlag. Liegt er nicht auf der Leersaite, muss der Finger dafür schon vorher greifen.
Schlag den Ton an und rutsch mit dem Finger auf der Saite zum neuen Bund, ohne den Druck zu lösen. / heißt aufwärts (zu höheren Bünden, der Ton steigt), \ abwärts. Manche Tabs schreiben stattdessen s.
Zieh die gegriffene Saite nach dem Anschlag seitlich über das Griffbrett, am Bundstäbchen entlang, dann steigt ihr Ton. Meist ziehst du sie Richtung Decke und schiebst mit dem Ringfinger, die zwei Finger dahinter helfen mit. Wie weit, steht an der Pfeilspitze: „full“ heißt einen Ganzton höher (so hoch wie zwei Bünde weiter), „½“ einen Halbton (ein Bund). In getippter Tabulatur heißt 7b9: 7. Bund, so weit gezogen, bis er wie der 9. Bund klingt.
Lass einen gehaltenen Ton beben: Zieh die Saite immer wieder ein kleines Stück zur Seite und lass sie zurück, sodass die Tonhöhe leicht schwankt.
Leg die Handkante der Anschlagshand locker direkt am Steg auf die Saiten. Die Töne klingen kurz, dumpf und perkussiv, ein typischer Rock-Sound. In der Tabulatur steht P.M. über den Noten, eine gestrichelte Linie zeigt, wie lange du abdämpfst. Im Beispiel klingen vier Töne abgedämpft, der fünfte darf frei ausklingen.
Hier ist ein kurzes Lick (eine kleine, typische Gitarrenphrase), das mehrere davon verbindet: Hammer-on und Pull-off, ein Slide abwärts, ein Bending und zum Schluss Vibrato.
Im Internet wird Tabulatur oft als reiner Text getippt, mit Strichen für die Linien und den Zeichen von eben (h, p, /, \, b, ~) für die Spielweisen. Gelesen wird sie genauso. Pass nur auf: Eine Zahl mit zwei Ziffern ist ein einziger Bund, 8b10 heißt also 8. Bund, gezogen, bis er wie der 10. Bund klingt. Hier noch einmal das Lick:
e|-----------|------5~-| B|-----------|-8b10----| G|-5h7p5-----|---------| D|-------7\5-|---------| A|-----------|---------| E|-----------|---------|
Und die „Ode an die Freude“. Die Taktstriche (|) teilen sie in Takte zu vier Schlägen, welche Töne lang sind, siehst du aber immer noch nicht:
e|---------|---------|---------|-------| B|---------|---------|---------|-------| G|-------0-|-0-------|---------|-------| D|-2-2-3---|---3-2-0-|-----0-2-|-2-0-0-| A|---------|---------|-3-3-----|-------| E|---------|---------|---------|-------|Weiter: Rhythmus