Das Griffbrett der Gitarre

Das Klavier legt die Töne in eine Reihe. Die Gitarre verteilt sie auf sechs Saiten, deshalb taucht derselbe Ton an mehreren Stellen auf. Das sieht zuerst verwirrend aus, folgt aber einem einfachen Muster. Wenn du es kennst, findest du jeden Ton.

Die sechs Saiten

In der Standardstimmung sind die von der tiefsten (dicksten) zur höchsten: E A D G B E. Merken kannst du dir das mit dem Satz „Eine Alte Dame Geht Brot Einkaufen“. (In vielen deutschen Gitarrenbüchern heißt die B-Saite H-Saite; wir schreiben B, wie in Tabs und Stimm-Apps.) Gitarristen zählen die Saiten andersherum: Saite 1 ist die hohe E-Saite, Saite 6 die tiefe E-Saite. Klick, um jede Saite zu hören:

Saite 6
Saite 5
Saite 4
Saite 3
Saite 2
Saite 1

Beide E-Saiten spielen denselben Ton, zwei Oktaven auseinander. Auf dieser Seite liegt die tiefe E-Saite unten und die hohe oben, so wie in der Tabulatur (mehr dazu auf der nächsten Seite). Stell dir vor, die Gitarre liegt mit den Saiten nach oben auf deinem Schoß, der Hals zeigt nach links.

Die Regel vom 5. Bund

Jeder erhöht eine Saite um einen Halbton. Benachbarte Saiten sind im Quartabstand gestimmt (fünf Halbtöne), also spielt der 5. Bund einer Saite denselben Ton wie die nächsthöhere Leersaite. Es gibt eine Ausnahme: Von G nach B sind es nur vier Halbtöne (eine große Terz), dort ist es also der 4. Bund.

O
1
2
3
4
5

So stimmen Gitarristen nach Gehör: erst den 5. Bund spielen, dann die nächste Leersaite, und so lange nachstimmen, bis beide gleich klingen. Hör dir jedes Paar an:

Warum die B-Saite aus der Reihe tanzt

Wäre jede Saite fünf Halbtöne höher als die vorige, wäre die oberste Saite F4, nicht E. Weil die B-Saite einen Halbton tiefer gestimmt ist, sind die beiden äußeren Saiten beide E, und die Griffe für viele passen unter vier Finger.

Der Haken dabei: Jede Griffform, die von der G- auf die B-Saite wechselt, rückt einen Bund weiter Richtung Korpus. Du siehst das gleich bei den Oktavgriffen und später bei Akkordgriffen und Tonleitermustern. Wenn ein Muster einen „Knick“ macht, ist meistens die B-Saite schuld.

Orientierungspunkte

Die Punkte auf dem Hals, die Bundmarkierungen im 3., 5., 7., 9. und 12. Bund, helfen dir bei der Orientierung. Im 12. Bund (der doppelten Markierung) beginnt jede Saite von vorn, eine Oktave höher. Lern zuerst die Stammtöne auf den beiden tiefsten Saiten: Damit findest du später die Grundtöne vieler Barrégriffe und Powerchords.

O
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
  • Tiefe E-Saite: E0F1G3A5B7C8D10E12
  • A-Saite: A0B2C3D5E7F8G10A12

Die kleinen Zahlen sind die Bünde. Zwischen den Stammtönen liegen Ganztöne (zwei Bünde), außer bei E–F und B–C, dort ist es ein Halbton (ein Bund), genau wie auf dem Klavier.

Oktavgriffe

Um denselben Ton eine höher zu finden, gehst du zwei Saiten höher (zu den dünneren Saiten) und zwei Bünde weiter. Liegt der Wechsel von der G- zur B-Saite dazwischen, sind es drei Bünde (schon wieder ist die B-Saite schuld):

O
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10

Alle Stellen eines Tons

Setzt du das zusammen, findest du jeden Ton überall auf dem Hals. Wähl einen Ton und sieh dir alle Stellen an, an denen er liegt, bis zum 12. Bund:

O
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12

Jedes G auf diesem Griffbrett gehört zu denselben wenigen Mustern: derselbe Bund auf beiden E-Saiten, der Oktavgriff und der 12. Bund. Üb das Finden der Töne mit dem Notentrainer.

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